Wort des Landeskirchenamtes zum Sonntag Lätare

Die gegenwärtige Situation ist in einem unbekannten Maße herausfordernd. Die eindringliche Bitte um Unterstützung in dieser Lage hat uns von staatlicher Seite bereits zum vergangenen Wochenende erreicht. Sie zielte bereits am Freitag auf ein Nachdenken über die Form und die Gestaltung der Gottesdienste ab. Wir gehen davon aus, dass die Sorge in Zusammenhang mit der Ausbreitung des Corona-Virus berechtigt ist. Mit dem von vielen Kirchgemeinden vollzogenen Verzicht auf den Sonntagsgottesdienst ist das Glaubensleben der Kirche in seiner Mitte getroffen. Das darf dieser Tage nicht beschönigt werden. Aus der Geschichte der Kirche ist kaum Vergleichbares in Erinnerung.
Für unsere Empfehlung diesen Schritt zu erwägen, die wir im Einklang mit der Empfehlung der römisch-katholischen Kirche im Bistum Dresden-Meißen steht, haben wir viel Verständnis erfahren. Es hat aber auch viele berechtigte Fragen gegeben. Am Wochenende sahen die offiziellen Aufforderungen der Gesundheitsbehörden milder aus, als die Lage sich seit dem gestrigen Abend darstellt.
Mit der sächsischen Staatsregierung sind wir im Gespräch. Seien Sie versichert, dass in der Staatsregierung vor Augen ist, was die Aufforderung auf Gottesdienste zu verzichten, für das Glaubensleben und für das geistliche Leben unserer Gemeindeglieder inmitten der Gesellschaft bedeutet. Allen Verantwortlichen ist bewusst, dass das Grundrecht auf Religionsfreiheit berührt ist. Wir haben zum vergangenen Sonntag das Signal gegeben, dass wir um unsere Verantwortung in der Gesellschaft wissen und zu dieser Verantwortung in Gebet und tätiger Nächstenliebe stehen:
„Das höchste Gebot ist das: »Höre, Israel, der Herr, unser Gott, ist der Herr allein, und du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von ganzem Gemüt und mit all deiner Kraft« (5. Mose 6,4-5). Das andre ist dies: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst« (3. Mose 19,18). Es ist kein anderes Gebot größer als diese.“ Markus 12, 29-31
Die Ehrerbietung, die wir dem dreieinigen Gott, der uns in Wort und Sakrament begegnet und im Gottesdienst unsere Antwort in Gebet und Lobgesang annimmt, ist uns geboten. Dieser Tage sind wir gehalten, dafür neue Formen zu finden und vertraute aber vergessene wiederzufinden. An Gottesdiensten teilzunehmen und die Botschaft im häuslichen Umfeld weiterzugeben, ist ein Gedanke, den Martin Luther in der „Deutschen Messe“ (1526) geäußert hat. Das ist der Urgedanke unserer Hauskreise. Gottesdienste im Rundfunk und im Internet werden stattfinden. Wir laden Sie ein: Feiern Sie mit und tragen Sie die Botschaft auch dorthin, wo sie nicht direkt empfangen werden kann. Der zweite Teil des Christuswortes ist für uns dieser Tage aber nicht minder handlungsleitend: Der Respekt vor den Vorgaben des Staates, der uns als Kirche respektiert und unseren Dienst in Anspruch nimmt, mahnt uns, um unserer Nächsten willen auf Gottesdienste zu verzichten. Es geht uns dabei nicht um Absagen, sondern um die Veränderung des geistlichen Lebens unter völlig außergewöhnlichen Umständen. Es geht uns auch um eine Unterbrechung des üblichen gottesdienstlichen Lebens.
Wort des Landeskirchenamtes zum Sonntag Lätare 17. März 2020
Dies muss nicht gleichbedeutend mit einer Verringerung des geistlichen Lebens einhergehen oder die Intensität des Gebets bedeuten. Es soll auch keinen Verzicht der Verkündigung bedeuten. Allerdings ist das Leben des Glaubens in Gemeinschaft mehr als eingeschränkt. Deshalb ist unbestritten: Die gebotenen Schritte tun uns in der Seele weh. Es erinnert uns aber gleichermaßen an das Gebot, das wir vom Herrn unserer Kirche empfangen haben.
Gemeinsam erwarten wir den Sonntag, an dem wir wieder am Tisch des Herrn versammelt sind. Bis dahin gilt es mit wachem Gewissen zu sehen, was uns dieser Tage möglich ist und dabei nicht allein in den Vordergrund zu rücken, worauf wir verzichten müssen.
Losung und Lehrtext des heutigen Dienstags mahnen uns, zu sehen, was wir dieser Tage einbüßen. Sie erinnern auch daran, was uns geboten und möglich ist:
Dein Knecht lässt sich durch deine Gebote warnen.
Psalm 19,12
Übe dich darin, den Willen Gottes zu tun!
1.Timotheus 4,7