Geschichte und Bau

Die heutige Annenkirche hatte mehrere Vorgängerbauten: Am 26. Juli 1578 konnte die vor dem „Wilischen“, dem westlichen Dresdner Stadttor gelegene Annenkirche als erster Kirchenbau Dresdens nach Einführung der Reformation geweiht werden. Die Kirche wurde danach 1618 und 1712 umgebaut und erweitert.

Im Verlauf des Siebenjährigen Krieges wurde 1760 das Gebäude ein Opfer der Flammen. Am 8. Oktober 1769 konnte die Weihe der „zweiten“, barocken Annenkirche stattfinden, entworfen und erbaut von Johann George Schmidt. Erst zum Reformationsfest 1823 wurde die Fertigstellung eines Turmes, errichtet durch G.F. Thormeyer, gefeiert.

Die Gemeinde wuchs und wurde wohlhabender- sie wollte sich um die Jahrhundertwende zum 20. Jahrhundert eine neue Kirche leisten. Letztlich wurde das barocke Gebäude im Jahre 1906 bis auf den Turm und die seitlichen Umfassungsmauern abgebrochen und bis 1909 nach Plänen des Architekten R. Schleinitz quasi neu errichtet.

In der Formensprache des hell gestalteten Kirchenraumes hielten sich Historismus und Jugendstil etwa die Waage. Wichtig war ein hochmodernes Brandschutzkonzept, zu dem neben einer Feuerlöschanlage auch der Verzicht auf möglichst viel Bauholz zählte, ersetzt durch Stahl (Dachstuhl) und Stuck.

Das heute noch erhaltene Relief über dem Altartisch, aus französischem Kalkstein gearbeitet von Ernst Paul, zeigt Jesus inmitten der Emmaus-Jünger und trägt die Unterschrift „Herr, bleibe bei uns.“ Darüber schwebt die Kanzel, ein seltenes Beispiel des Lutherischen Konzepts des Kanzelaltars in einer Stadtkirche. An der Altarrückwand- direkt angrenzend an den Schalldeckel der Kanzel war auf einer Fläche von ca. 7,50 x 3,50 m, das Altarbild „Die Bekehrung des Apostels Paulus“ des damaligen Professors der Kunstakademie Osmar Schindler zu sehen. Es ist in den Kriegs- und Nachkriegswirren 1945 zerstört worden.

1939 erfuhr die Kirche eine Renovierung, bei der viele Stuckelemente entfernt wurden. Die Kirche wurde bei den verheerenden Bombenangriffen im Februar 1945 zwar beschädigt, aber nicht zerstört. Etwa tausend Menschen, die in der Kirche Zuflucht gesucht hatten, wurden durch die sofortige und gut vorbereitete Löschung des Brandes gerettet.

Bis 1949 wurde der Innenraum der Kirche saniert und mit den kargen Mitteln der Nachkriegszeit grundlegend umgestaltet. Das Ideal war „zurück zum Barock“. Dabei erfuhr auch die Fläche über der Kanzel eine grundlegende Veränderung durch einen an barocke Formen angelehnten Aufsatz. In der stark verkleinerten Bildfläche hing ein aus der Frauenkirche stammendes Kruzifix, ein Altarbild gab es nicht mehr.

Seit dem Verlust des Altarbildes im 2. Weltkrieg 1950er Jahren gab es immer wieder Pläne und Entwürfe für ein neues Altarbild, meist zugeschnitten für jene verkleinerte Fläche und fast immer als zeitgenössische Neuschöpfung gedacht. Doch während der Zeit der DDR hatten die Sicherung und Erhaltung des Kirchengebäudes immer Vorrang.

Nach der politischen Wende 1989/90 wurde die Außensanierung in Angriff genommen, 1997 gekrönt durch das Aufsetzen der neuen Turmhaube. In den Jahren 2009 bis 2011 konnte der Innenraum in großer Annäherung an die Fassung von 1909 grundlegend saniert werden. Dabei wurde auch die Fläche für ein Altarbild in den Originalmaßen wieder hergestellt.

Nach Abschluss der Sanierungsarbeiten wurde auf Beschluss des Kirchenvorstandes eine Auswahlkommission gegründet, um die Schaffung eines neuen, zeitgenössischen Altarbildes voran zu treiben. Sie bestand aus Mitgliedern des Kirchenvorstands der Annen-Matthäus-Kirchgemeinde, des Ev.-Luth. Landeskirchenamts Sachsen und Dresdner Kunstexperten.

Eine theologische Konzeption stellte Matthäus 28, 20: Jesus spricht: „Ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende“ als Antwort Jesu auf die Bitte „Herr, bleibe bei uns“ in den Mittelpunkt. Auf Empfehlung der Kommission fragte die Kirchgemeinde 2012 Marlene Dumas an, das Altarbild zu malen.

Nach einem ersten Besuch in Dresden im April 2013 sagte die Künstlerin zu, das Bild zu malen. Ursprünglich war geplant, die Arbeiten bis Ende 2015 fertig zu stellen.

Durch eine schwere Erkrankung von Jan Andriesse, des Mannes von Marlene Dumas, wurde der Arbeitsprozess für fast 1,5 Jahre unterbrochen. In der Zwischenzeit wurden 2015 der Stuckrahmen des Bildes an der Altarrückwand und eine neue Gloriole (Bildhauer Chr. Schulze, Dresden) gefertigt. Nach mehrmaligen gegenseitigen Besuchen in der Kirchgemeinde und im Atelier und einem dabei geführten offenen Diskussionsprozess mit der Kirchgemeinde vollendete Marlene Dumas und ihre von ihr hinzugezogenen Malerkollegen Jan Andriesse und Bert Boogard das große Werk.

Am 26. März 2017 konnte das neue Bild durch Landesbischof Dr. Rentzing festlich geweiht werden. Die Sanierung der Annenkirche hat damit ihren krönenden Abschluss gefunden.

Christfried Weirauch, Oktober 2017